Unternehmensnachfolge: Wenn Töchter die Firmen ihrer Familien übernehmen

Am 11. September 2017 startet ein exklusives Forum und Seminar in drei Modulen für Frauen, die Familienunternehmen erfolgreich in die Zukunft führen wollen. Auch ich werde dabei sein und darf die Stimmen der Chefinnen von morgen auf ihre Aufgaben vorbereiten. Mit der Leiterin und Initiatorin des Workshops Andrea Och habe ich über dieses spannende Thema gesprochen:

Wie viele Frauen werden in den kommenden Jahren in DACH in die Unternehmensnachfolge gehen?

Andrea Och

Andrea Och: „Jedes Jahr stehen allein in Deutschland über 70.000 Familienunternehmen zur Übernahme an. Knapp 6.000 davon finden keine geeignete Nachfolge und müssen schließen. Und immer weniger Unternehmerkinder streben eine Übernahme an. Die Verantwortung erscheint zu groß, die Interessen sind andere, das eigene Bedürfnis nach Freiheit und Zeit für sich selbst überwiegt. In diesem Zusammenhang werden Töchter notgedrungen für die Unternehmensnachfolge von Familienunternehmen immer interessanter. Top ausgebildet, mit großem Engagement und Gestaltungswillen übernimmt derzeit etwa jedes zehnte Familienunternehmen eine Frau. Und wenn Töchter übernehmen, sind diese Übernahmen oftmals weniger konfliktgeladen, da sie mit ihren Vätern länger zusammenarbeiten und einen fließenden Übergang gestalten, während Söhne häufig versuchen, Väter schnell zu entthronen, um die Unternehmensspitze einzunehmen.“

Welche typischen Herausforderungen erwarten die jungen Chefinnen?

Andrea Och: „Jede Übergabe eines Unternehmens birgt für die Person, die abgibt und die Person, die übernimmt Hürden. In Familienunternehmen kommt die emotionale Komponente hinzu. Dies ist zugleich Chance als auch Herausforderung. Der Führungsstil von Familienunternehmern, die derzeit übergeben, ist überwiegend patriarchalisch geprägt. Der Führungsstil von Frauen, die derzeit übernehmen ist hingegen eher auf Kooperation ausgelegt. Sie binden Mitarbeiter stark in Entscheidungen ein und übertragen mehr Verantwortung. Damit werden wichtige Leistungs- und Potenzialträger an das Unternehmen gebunden und neue Fach- und Führungskräfte heute gewonnen.

Eine große Chance für Familienunternehmen, zumal viele Familienunternehmen jenseits großer Metropolen liegen und auch häufig als Arbeitgebermarke unbekannt sind. Gelingt ein Wandel der Führungs- und damit auch der Unternehmenskultur, stärkt ein weiblicher Führungsstil Familienunternehmen maßgeblich in ihrer Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit. Die Herausforderung liegt darin, diesen Kulturwandel konsequent und zugleich diplomatisch umzusetzen. Erfolge der vorherigen Generation anzuerkennen und zu würdigen, selbstbewusst den eignen Stil zu finden, als auch konsequent zu gehen und zugleich offen für den Rat und die Erfahrung des Übergebenden zu bleiben.

Es geht letztlich darum, den besonderen Spagat zwischen der Rolle der Tochter, die bestehen bleibt, und der Rolle der Unternehmerin, die sich nach und nach vom Vater abgrenzt und emanzipiert, zu meistern. Sensibilität ist in diesem Zusammenhang entscheidend.“

Was können die Senior-Chefs tun, um den Nachfolgerinnen den Start zu erleichtern?

Andrea Och: „Ein großer Vorteil in Familienunternehmen liegt darin, dass Kinder von klein auf spielerisch in das Unternehmen hineinwachsen. Nach einer fundierten Ausbildung ist es hilfreich, erste berufliche Erfahrungen in anderen Unternehmen zu machen. Um sich selbst ohne Druck ausprobieren zu können und auch Fehler machen zu dürfen. Väter sollten Freiheiten geben und die Übernahme nicht als Geburtspflicht betrachten. Sofern der Wille und die Begeisterung der Tochter für die Übernahme da sind, sollte ein klarer Fahrplan für die Übernahme gemacht werden. Dies beginnt mit der Übertragung von Anteilen, um die Rolle von Beginn an auch im Unternehmen zu klären. Um sich zu orientieren, sind zuerst ein Trainee in allen wichtigen Abteilungen sinnvoll und/oder ein erstes eigenes Projekt, um sich zu profilieren.

Viele erfolgreiche Übernahmen von Töchtern erfolgen anschließend im Tandem mit dem Vater für einen definierten Zeitraum. Diese Übergabe eindeutig vertraglich zu regeln und sich auch Spielregeln im Miteinander gerade nach außen zu geben und besonders diese einzuhalten, ist sicherlich ein kritischer Erfolgsfaktor, der den Start maßgeblich beeinflusst. Dies setzt Realitätssinn auch über die eigene Endlichkeit voraus, Vertrauen in die Fähigkeiten der Tochter und die Bereitschaft, wirklich loszulassen.“

Was können die Führungsfrauen von morgen tun, um sich auf ihre Rollen vorzubereiten?

Andrea Och: „Wer den Willen und Lust hat, das Unternehmen zu übernehmen, sollte sich die eigenen Stärken und Grenzen und bisherige Erfolge und eigene Ambitionen bewusst machen. Daraus erwächst das Selbstvertrauen, einer derartigen Verantwortung gewachsen zu sein ohne übermütig zu werden. Die intensive Innensicht ermöglicht gerade Frauen, ein realistisches Bild von sich selbst zu entwickeln, um das eigene Potenzial zu entfalten und ein Team um sich herum aufzubauen, welches eigene Defizite ausgleicht und damit Höchstleistung möglich macht. Wer in diesem Bewusstsein lernt, die eigene Rolle klar mit Zielen und einer Strategie zur Zielerreichung zu hinterlegen und diese auch nach innen und außen unmissverständlich zu kommunizieren, wird als Nachfolgerin und Unternehmerin schnell respektiert und unterstützt. Hierfür steht HERbusiness.

Zugleich rate ich Frauen, die eine Unternehmensnachfolge anstreben oder bereits übernommen haben, sich intensiv mit dem Thema Macht auseinanderzusetzen. Nicht als Selbstzweck, sondern als etwas, das notwendig ist, um gestalten zu können und um sinnvolle Entscheidungen nicht nur zum eigenen Vorteil, sondern zum Vorteil vieler Menschen treffen zu können. Macht ist notwendig, um machen zu können. Wer sich diesem Thema verweigert, weil es gerade für Frauen häufig negativ belegt ist, bekommt schnell eigene Grenzen aufgezeigt. Gerade in männlich geprägten Unternehmensstrukturen existieren zumeist sehr erfahrene Machtstrategen, die erfolgreich verdeckt agieren. Die eigene Hausmacht aufzubauen, um sich vor gefährlichen Machtspielchen zu schützen, bleibt unumgänglich.“

In „HERbusiness“ haben Sie Spitzentrainerinnen aus unterschiedlichsten Bereichen zusammengeholt. Wie sieht das Konzept genau aus?

Andrea Och: „HERbusiness ist auf die besonderen Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten, die ein Familienunternehmen übernehmen. Wir bestärken Frauen in ihrer Rolle als Nachfolgerin, Inhaberin und Führungspersönlichkeit. Unabhängig vom Alter, der Ausbildung oder der Branche bietet HERbusiness Familienunternehmerinnen einen geschützten Raum, um die eigene Rolle zu finden und zu reflektieren, konkrete Strategien und Maßnahmen zur Zielerreichung zu planen, bestehende individuelle Hürden zu meistern, und sich mit anderen Familienunternehmerinnen auszutauschen, zu beraten, zu vernetzten und persönlich und geschäftlich voneinander zu profitieren.

In drei aufeinander aufgebauten Modulen konfrontieren wir sie mit der realen Businesswelt, schaffen neue Perspektiven und Einsichten und entwickeln gemeinsam ganz persönliche Strategien, wie Familienunternehmerinnen selbstbewusst ihren eigenen Weg gehen können.

Um der besonderen Verantwortung und dem damit einher gehenden Druck und Stress gerecht zu werden, erlernen die Teilnehmerinnen zudem Techniken für mehr Konzentrationsfähigkeit und Gelassenheit besonders in stressigen Situationen. Auch um Fehlschläge klar zu analysieren, aus ihnen zu lernen und dann schnell abzuhaken. Und vor allem, um Raum für große Ambitionen und Ziele zu schaffen, Prioritäten zu setzen, klar fokussiert und zugleich flexibel auch bei sich ändernden Rahmenbedingungen zu bleiben. Resilienz durch Achtsamkeit wird eine der entscheidenden Führungsqualitäten der Zukunft, und ist daher besonders für Familienunternehmerinnen wichtig.

HERbusiness ist einzigartig. Wir haben die besten Trainerinnen zusammengeholt, um Familienunternehmerinnen eine effektive Unterstützung zu geben, damit sie ihrer Aufgabe mit Spaß gerecht werden und als Vorbild andere ermutigen, auch Verantwortung zu übernehmen. Weil wir davon überzeugt sind, dass wir mehr Frauen in den Spitzenpositionen unserer Wirtschaft benötigen, um bessere Antworten und Lösungen für uns alle zu finden. Nicht gegen Männer, gemeinsam mit ihnen. Davon profitieren alle.“

Vielen Dank für das Gespräch!

 

HERbusiness startet am 11. September 2017.

Weitere Informationen unter www.herbusiness.de