Vom „Singen und Sagen“: Warum Sie die Lust zu singen wecken sollten

Das Wort steht für den Anfang vom Erkennen, der Gesang für den Anfang vom Sein. „Ich kann überhaupt nicht singen!“ Wie oft höre ich das von meinen Klienten! Manchmal bedauernd und meistens sehr bestimmt. Oft schon, wenn es nur darum geht zu summen oder verschiedene Tonhöhen aufzunehmen. In diesem Beitrag erfahren Sie alles über die vier wichtigen Gründe, warum Sie gleich lossingen sollten.

Singen, zumal vor anderen, bedeutet für die meisten Menschen Stress pur. Warum nur? Leider wird in unserer Kultur Singen schon im Kindesalter mit Leistung verbunden und bewertet. Viele Klienten erzählen mir, dass ihnen schon im Kindergarten gesagt wurde, sie könnten nicht singen, würden brummen und sollten lieber schweigen.

Dabei ist Singen elementar und zutiefst menschlich. Sicher, Sie können auch ohne Singen über- und weiterleben. Aber das Bedürfnis zu singen ist seit Anbeginn der Menschheit vorhanden und überliefert. Denken Sie nur an die Mythen und Sagen, in denen Gesang die Hauptrolle spielt, wie z.B. Odysseus, der sich an den Mast binden ließ und die Ohren verschloss, um nicht dem Gesang der Sirenen zu erliegen; Loreley; Orpheus, der mit seinem Gesang selbst wilde Tiere betörte…

Singe wem Gesang gegeben!
Noch bevor sich die menschliche Sprache entwickelte, brachten unsere Urahnen Töne und Laute hervor, Lockrufe oder Drohlaute, Werben oder Warnen. Genau so „singen“ Babys, sie brabbeln, lallen, jauchzen, grunzen! Und das lange bevor sie ihr Sprachvermögen entwickeln.

Jeder, der Kinder hat, weiß, dass diese nonverbale Sprache absolut verständlich und eindeutig ist! Kinder singen grundsätzlich erst einmal gerne, weil sie ungeniert sind und nicht bewerten. Bis dann unsere Erziehung dazwischen funkt…

Meine Eltern erzählen von mir als Dreijährige, die sich an einem strahlenden Sommermorgen in der Klosterkirche von Ottobeuren mitten im Kirchenschiff aufbaut und lauthals alle Strophen von „Weil ich Jesu Schäflein bin“ singt, einfach, weil es mir gut geht und ich mich offensichtlich im Einklang mit meiner Umwelt fühle…

Überlegen Sie mal: Wann haben Sie das letzte Mal lauthals gesungen, einfach nur so und weil es Ihnen gut geht? Wenn Sie nicht in der Fußgängerzone mit einem Becher stehen oder vor Dieter Bohlen in der Jury singen, erklärt man Sie vermutlich für verrückt.

Menschen singen im Gebet, zur Nacht, für ihre Kinder, beim Wein, auf dem Weg zur Arbeit, beim Marschieren; Fans singen mit ihren Idolen mit oder singen ihrer Fußballmannschaft zu. Und immer vermittelt der Gesang Emotion pur: Beruhigung, Ermutigung, Schmerz, Anteilnahme, Verlust, Liebe, Trost und Hoffnung.

Wir singen, was nicht zu sagen ist
Beim Singen sind die Gehirnregionen beteiligt, in denen unsere Gefühle angesiedelt sind, beim Sprechen dagegen die, die das logische und abstrakte Denken beherbergen. Das heißt: Singen geht nicht ohne Gefühl!

Wenn Sie also singen, egal, ob unter der Dusche, im Auto, im Chor, beim Karaoke, vor sich hin summen, vielleicht auch pfeifen, fördern Sie Ihre Emotionalität und tun sich rundum nur Gutes:

1. Singen macht glücklich
Laut dem Musikpsychologen Dr. Karl Adamek kurbelt Singen die Produktion von Glückshormonen wie Serotonin an, das gegen Depression und Angst hilft. Beta-Endorphin erzeugt Glücksgefühle und Noradrenalin erhöht die Lebensmotivation. Gleichzeitig bilden sich beim Singen jene Hormone zurück, die uns aggressiv und stressanfällig machen: Testosteron, Adrenalin und Kortisol. Dazu genügen übrigens ein paar Liedstrophen. Wer singt, ist lebensfroher, zuversichtlicher und tatkräftiger, das hat Adamek bei mehr als 500 Probanden empirisch nachweisen können. Und das gilt auch für Laiensänger.

2. Singen ist gesund
Es erhöht die körperlichen Abwehrkräfte. Tiefes Atmen regt Herz und Kreislauf an, steigert das Lungenvolumen, dehnt und kräftigt die Rumpfmuskulatur. Das wirkt entspannend, fördert die Verdauung, kann sogar seelische Spannungen lösen und z.B. Nervosität, Asthma, und auch Stottern lindern oder beseitigen.

3. Singen fördert Ihre Sprechstimme
Singen trainiert Ihre Stimm- und Atemmuskeln. Indem Sie Ihre Stimme auch außerhalb der Sprechlage trainieren, gewinnt Ihre Sprechstimme „Spektralfarben“ dazu, wird melodiöser, tragender, leuchtender und dynamischer.

4. Singen bringt gute Laune und Energie
„Wo man singt, da lass´ Dich ruhig nieder“: Menschen, die singen, verändern ihren Gemütszustand, motivieren sich, sind vital und lebendig.

Singen Sie, wann immer Ihnen danach zu Mute ist und die Gelegenheit sich bietet, nicht notwendigerweise „richtig“ und schön, aber ungeniert. Aus „voller Brust“ oder nur für sich, aber in jedem Fall ohne zu bewerten. Ihre Person (per sona = durch Klang), Persönlichkeit, Ihre Menschlichkeit wird hörbar.

Wenn Sie etwas für Ihre Stimme tun wollen: Meine nächsten Stimmtrainings in München und Frankfurt sind schon ausgebucht, aber für das offene Training in München am 22. Oktober 2015 sind noch Plätze frei. Alle Infos finden Sie hier.

Bei welcher Gelegenheit singen Sie am liebsten?